Kirchliches Gesetz entschuldigt unerlaubte Bischofsweihen: Canon 1323 CIC

Kritiker der geplanten Bischofsweihen durch die Priesterbruderschaft St. Pius X., aber auch Verteidiger stellen die von der Piusbruderschaft in Anspruch genommene "Notlage" als außergesetzliche Angelegenheit dar. Gesetzlich wäre nur die automatische Exkommunikation bei unerlaubter Bischofsweihe.
Beide übersehen den Canon 1323 des Kirchengesetzbuches "Codex Juris Canonici", der den Sachverhalt einer Notlage und sogar den Sachverhalt einer bloß irrtümlich angenommenen Notlage in ein klares positives (niedergeschriebenes) Gesetz fasst.

Papst Benedikt meinte, die Exkommunikation der von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe aufzuheben -ein guter Akt!-, aber in Wahrheit hat eine solche Exkommunikation wegen Canon 1323 CIC nie bestanden.

1. DAS GRUNDSÄTZLICHE

Die Weihe von Bischöfen ohne Erlaubnis des Heiligen Vaters in Rom oder gar gegen dessen erklärten Willen bedeutet grundsätzlich automatisch die Exkommunikation für Weihende und Geweihte. Die Exkommunikation bedeutet vom Wort her zwar den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft, welche aber nach der Taufe gar nicht mehr möglich ist. So bleibt die Pflicht eines Exkommunizierten, die Sonntagsmesse zu besuchen, bestehen. Doch darf er nicht die hl. Kommunion empfangen, auch nicht das Beichtsakrament, es sei denn, er bereue seine Tat in der heiligen Beichte. Exkommunizierte Priester und Bischöfe dürfen zum Beispiel nicht mehr die hl. Messe zelebrieren.

2. DER CODEX JURIS CANONICI (BUCH DES KIRCHENRECHTS) VON 1983

Der Kirchenrechts-Codex von 1983 stellt nun eine weitere Überlegung an:
Exkommunikation ist eine Strafe! Eine Strafe setzt bösen Willen voraus.
Daraus ergeben sich Entschuldigungsgründe für eine Bestrafung, falls kein böser Wille vorliegt, so dass etwa auch die Strafe der Exkommunikation ausnahmsweise nicht eintritt.

Die Überlegung führte zum Canon 1323:

Can. 1323 – Keiner Strafe unterworfen ist, wer bei Übertretung eines Gesetzes oder eines
Verwaltungsbefehls:
1º das sechzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat;
2º schuldlos nicht gewusst hat, ein Gesetz oder einen Verwaltungsbefehl zu übertreten; der
Unkenntnis werden Unachtsamkeit und Irrtum gleichgestellt;
gehandelt hat aufgrund physischer Gewalt oder aufgrund eines Zufalls, den er nicht
voraussehen oder, soweit vorhergesehen, nicht verhindern konnte;
4º aus schwerer Furcht, wenngleich nur relativ schwer, gezwungen oder aufgrund einer Notlage
oder erheblicher Beschwernis gehandelt hat, sofern jedoch die Tat nicht in sich schlecht ist oder zum
Schaden der Seelen gereicht;

5º aus Notwehr einen gegen sich oder einen anderen handelnden ungerechten Angreifer unter
Beachtung der gebotenen Verhältnismäßigkeit abgewehrt hat;
6º des Vernunftgebrauchs entbehrte, unter Beachtung der Vorschriften der cann. 1324 § 1, n. 2
und 1326 § 1, n. 4;
ohne Schuld geglaubt hat, einer der in den nn. 4 oder 5 aufgeführten Umstände liege vor.


(Hervorhebungen von mir)

3. BEDEUTUNG VON CANON 1323 FÜR DIE PRIESTERBRUDERSCHAFT ST: PIUS X.

Zu Canon 1323,

Nr. 3:
Die Bischöfe der Piusbruderschaft werden weitere Bischöfe weihen.

Nr. 2

a)
Papst Leo XIV. lässt weiterhin die spontsne Segnung speziell eines homosexuellen Paares außerhalb etwa der allgemeinen Segnung zum Schluss der Messe zu, und zwar eine Segnung durch einen Priester ("Fiducia supplicans"), ebenso den Kommunionempfang wiederheiratet Geschiedener, die sexuell zusammenleben (Anmerkung 351 von "Amoris laetitia").
Damit werden Gläubige in der katholischen Morallehre in die Irre geführt, zur Nachahmung ermutigt, was ihr ewiges Heil gefährdet.

Leo XIV. verlangt von Theologen, nicht mehr Mariens Gnadenmittlerschaft zu behaupten ("Mater populi fidelis").
Damit werden Gläubige dazu verleitet, die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria in ihrem Wirken geringer zu schätzen als Gott ihr Wirken geschätzt haben will.

b) Eine Bischofsweihe ist nicht in sich schlecht.

c) Die Weihe neuer Bischöfe in der Priesterbruderschaft St. Pius X. schadet den Seelen nicht, sondern gibt ihnen im Gegenteil eine katholische Heimstatt im chaotischen Umfeld falscher Lehren.

So fordert die deutschen Bischöfe Lehrer dazu auf, vor ihren Schülern eigene Homosexualität zu bekennen, um Heranwachsende in eben dieser Orientierung zu bestätigen und festzuhalten ("Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule").
Auch wenn drei Bischöfe sich davon distanzieren und zudem bestreiten, dass es sich um ein Dokument der Bischofskonferenz handele, so duldet die Mehrheit der deutschen Bischöfe die Herausgabe dieses Textes unter dem Namen "Die deutschen Bischöfe" und vor allem dessen Umsetzung an den Schulen.

Auch gilt das unter a) Beklagte.

Nr, 7

Sollten Theologen oder der Heilige Vater zur Ansicht kommen oder gar beweisen, dass keinerlei "Notlage" vorliegt, so tritt die Exkommunikation für Weihende und Geweihte der Priesterbruderschaft St. Pius X. dennoch nicht ein, weil eben diese fest von einer Notlage überzeugt sind und auf eine Wucht von Tatsachen im kirchlichen Leben verweisen können, die die Annahme einer Notlage stark begünstigen.

4. ERGEBNIS

Die für den 1. Juli 2026 geplanten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. führen nicht zur Exkommunikation.

Folglich führen sie auch nicht zum Schisma.

Codex Juris Canonici: Codex des Kanonischen Rechtes - Inhalt
121K
bert

Ich denke die derzeitige Notlage ist wesentlich schwerwiegender als 1988

Bethlehem 2014

Lieber @Klaus Elmar Müller Das hatte Prof. May schon vor 38 Jahren nachgewiesen. Mit wenig Erfolg: leider!
Es rächt sich jetzt, daß Papst Benedikt damals so viel Rücksicht auf seine Feinde nahm und die "Exkommunikation" nicht einfach für ungültig erklärt hat. Das wäre besser gewesen - und ehrlicher. Ratzinger, so vermute ich, hat immer gewußt, daß die Exkommunikation ungültig war. Er war ja nicht doof. Er kannte auch die von Ihnen zitierten Canones.
Was haben die Modernisten nach dem Pontifikat Benedikts von diesem eigentlich übriggelassen? Alles, was er mühsam aufgebaut hatte, wurde gnadenlos (!) wieder niedergerissen.
Hw. Jaime Mercant Simó hat jetzt dasselbe nachgewiesen, wie damals May. Er "prophezeit", daß die Piusbrüder dennoch wieder "exkommuniziert" werden werden. Er hält dies für ungültig, erwartet es aber, weil er weiß, daß man auf diese Weise die Kirche kaputtmachen will: bewußt oder unbewußt.

Eugenia-Sarto

Die Piusbrüder brauchen den "Krieg" nur als eine Ertüchtigung sehen und sich einfach nach ihrem Vorbild Lefebvre richten. Gegen Fernandez hat die Piusbruderschaft die besseren Karten. Nämlich die Wahrheit.

Bethlehem 2014

@Eugenia-Sarto Stimme Ihnen voll zu. Aber dennoch: sollte die Diskreditierung der (ungerechten) Exkommunikation verhängt werden, wird dies manche wie ein Stigma abschrecken. Der Weg der Kirchengeschichte kann dann noch Jahrzehnte beschwerlich werden und ich möchte mir gar nicht ausmalen, was gewisse (!) Mitglieder der Petrusbruderschaft alles über die Piusbruderschaft ausgießen werden. Natürlich ist das für sie nicht viel mehr als Selbstschutz und offenbart deren wirkliches Vertrauen in die kirchliche Obrigkeit.

Eugenia-Sarto

Das ist alles sehr traurig. Die Petrusbrüder haben ihr Sein als Priester dem Erzbischof L. zu verdanken. Ohne ihn wären sie gar nicht da. Und das wissen sie genau. Warum kann man nicht einmal sich rein der Wahrheit zuwenden - der Tradition- und ohne Kompromisse leben? Ich muss oder darf das auch inmitten von Neuheiden. Gott verläßt seine treuen Diener nie. Wieviele haben das gewählt und alle wurden getröstet.

Klaus Elmar Müller

Ich war anfänglich sehr gegen die Bischofsweihen des Erzbischofs, meinte das Bekenntnis zur katholischen Kirche im Glaubensbekenntnis verlange ein passives Vertrauen. Aber ich musste mich durch den Zerfall der Kirche in ihrer sichtbaren Gestalt über die Jahre hinweg eines Traurigeren belehren lassen. Auch die Petrusbruderschaft sollte die Augen aufmachen. Bekennt sie sich zur "Miterlöserin" und "Mittlerin aller Gnaden"? Kardinal Müller tat das immerhin und anerkennenswert auf Lateinisch in seinem Artikel auf kath.net gegen die Bischofsweihen: "Und so haben rechtgläubige Bischöfe auch an neueren Dokumenten Anstoß genommen, in denen sich dilettantisch dogmatische und pastorale Argumente verwirrt haben oder wenn undurchdachte Äußerungen gefallen sind, dass – Christus relativierend – alle Religionen Wege zu Gott seien, während man im Blick auf Maria Corredemptrix et Mediatrix omnium gratiarum wieder auf die einzige Mittlerschaft Christi gepocht hatte ohne die Lehre der Kirche von der Mitwirkung Marias am Heilswerk Christi zu beachten" (Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der …).

Bethlehem 2014

@Klaus Elmar Müller "dilettantisch dogmatische und pastorale Argumente" - das betrifft dann auch Papst Leo, der das Dokument schließlich unterzeichnet hat.
Von Piusbrüdern hab ich eine solch negative Notation über den neuen Papst (noch) nicht gehört.

Eugenia-Sarto

Der Papst will eben auch nachdenken, wie man das theologisch zu verstehen hat: Mittlerin aller Gnaden und Miterlöserin. So einfach ist das gar nicht. Und das Ja oder nein oder vielleicht dazu greift meine Liebe und Ehrfurcht zur Muttergottes in keiner Weise an. Ich liebe sie und weihe mich täglich. Und sie gibt mir bzw vermittelt mir sehr viele Gnaden. Der Papst sollte in Ruhe und mit guten Beratern Zeit haben, zu einer Entscheidung zu kommen oder auch nicht. Uns steht es frei, diese Titel zu verwenden. Also warum streiten.

@Eugenia-Sarto Dann sollte er erst nachgedacht haben, bevor er in die theologische Diskussion mit "Mater populi fidelis" durch Verbot eingriff!

Eugenia-Sarto

Mittlerin aller Gnaden (Mediatrix omnium gratiarum): Die Verwendung dieses Titels wird als „inakzeptabel“ bezeichnet, wenn sie so verstanden wird, dass Maria eine vom Christus unabhängige Quelle der Gnade sei. Erlaubt bleibt er nur in einem sehr präzisen, untergeordneten Sinn, der Marias Fürbitte betont, ohne die unmittelbare Beziehung Gottes zum Menschen zu ersetzen.
So die bisherige Stellungnahme, welche Argumente sind dagegen einzuwenden?
Ich bin der Ansicht, daß ein neuer Papst, der einer Unmenge von dubiosen Mitarbeitern gegenübersteht, Zeit braucht und sein eigenes ganz persönliches Profil erarbeiten muß. Das gilt für jeden Menschen, der ein Selbstbewusstsein hat und in großer Verantwortung steht.

Nein, diese Titel werden als "immer unangemessen" abgelehnt, nicht nur, falls jemand sie missversteht. Auch war der Heilige Vater Kurienkardinal und hat erklärt, keine eigene Linie zu entwerfen, sondern der seines Vorgängers zu folgen.

Eugenia-Sarto

Es besteht für die Katholiken in der Nachkonzilszeit eine große Notlage. Einzelne Ausnahmen gibt es. Aber für die meisten Christen bestheht eine ausserordentliche Notlage mit schwerem Glaubensverlust. Die Piusbruderschaft sollte möglichst viele Bischöfe weihen, soweit ihr Bedürfnis reicht.