Josef Seifert: Papst Franziskus soll Teile von "Amoris laetitia" widerrufen
Der Philosoph Josef Seifert, ein enger Freund von Johannes Paul II., hat vor Gloria.tv festgestellt, dass das Papst-Dokument Amoris laetitia Bigamisten zur Kommunion zulassen will. Doch Seifert stellt fest, dass der Papst mit einer einzigen, unklar formulierten Fußnote in diesem Dokument den Katechismus, das kanonische Recht und 2000 Jahre kirchlicher Tradition nicht aus der Welt schaffen kann.Video-Interview: Papst Franziskus kann nicht die Bibel ändern
Der Philosoph erinnert daran, dass der Ausschluss von Ehebrechern von den Sakramenten auf der Heiligen Schrift und der Lehre der Kirche beruht: "Das kann der Papst nicht ändern." Franziskus könne sich nicht über die unfehlbare Lehre der Kirche erheben: „Auch ein Papst kann sich nicht alles leisten.“
Seifert kritisiert mehrere Aussagen in Amoris laetitia. Das Dokument sagt zum Beispiel: „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“ Dem entgegnet Seifert, dass Jesus Christus selber häufig vor der ewigen Verdammnis warnt.
Zudem konstatiert Seifert, dass Amoris laetitia mehrfach der Wahrheit widerspricht, dass in sich schlechte Handlungen unter keinen Umständen begangen werden dürfen. Franziskus folge dagegen einer Situationsethik, wonach es keine Regeln gebe, die unter allen Umständen binde.
Gemäß Seifert behauptet Franziskus, dass es Gottes Wille sein könne, in einer Zweit-Beziehung ehebrecherisch zusammenzuleben, wenn ein Partner ohne Sex eine Dritt-Beziehung suchen würde. Diese Auffassung widerspricht, so Seifert, einer ganzen Reihe kirchlicher Dogmen, insbesondere dem Konzil von Trient und den Enzykliken "Evangelium vitae" und "Veritatis splendor" von Johannes Paul II. Die katholische Lehre und auch die natürliche Moral besagen, dass in sich schlechte Handlungen wie der Ehebruch nie gerechtfertigt sind.
Seifert kritisiert ferner die in Amoris Laetitia gebrauchte Redewendung "irreguläre Situationen", um den Zustand von Menschen zu beschreiben, die in der Todsünde leben. Der Philosoph weist darauf hin, dass nicht Situationen, sondern menschliche Handlungen irregulär sein können. „Irregulär“ klingt für Seifert wie das banale Abweichen von einem positiven Gesetz, etwa von der Verkehrsordnung.
Seifert widerspricht im Interview der Theorie seines langjährigen Freundes, des Philosophen Rocco Buttiglione, der meinte, dass jemand trotz des Vorhandenseins einer objektiven Schuld subjektiv unschuldig sein könne. Buttiglione erliege dem Trugschluss, dass jemand, der die Schuld nicht erkenne, unschuldig sei. Doch Blindheit für die Sünde sei kein Beweis für die Unschuld. Buttiglione postuliere die Existenz von "unzurechnungsfähigen schweren Sündern, von halbidiotischen schweren Sündern, die im Stand der Gnade sind".
Schließlich bedauert Seifert, dass die Bischöfe mit Ausnahme von Bischof Athanasius Schneider zu Amoris laetitia schweigen. Sie hätten aber die Pflicht, den Papst zu bitten, seine Aussagen zurückzuziehen, weil sie im Widerspruch zur Tradition der Kirche stehen. Für Seifert ist eine Klärung der strittigen Passagen von Amoris laetitia nicht ausreichend: "Meines Erachtens müsste der Papst einige Aussagen als falsch widerrufen."