In einem interessanten Interview mit Cicero umreißt David Beltz, Professor für Kriegsstudien am King’s College in London, seine These „Der Bürgerkrieg kommt in den Westen“.
„Es gibt“, so Beltz, „drei wesentliche Gründe, warum ich denke, dass in Westeuropa Bürgerkriege bevorstehen. Und die finden sich alle in der gängigen Fachliteratur über die Ursachen von Bürgerkriegen. Der erste Punkt ist das große Maß an Lagerbildung in westlichen Gesellschaften. (…)
Der zweite Grund ist das sogenannte „Downgrading“: Darunter versteht man die Furcht einer früher dominierenden Gruppe, ihren Mehrheitsstatus innerhalb einer Gesellschaft zu verlieren. (…) Es geht da um Menschen, die Sätze sagen wie: ‚Wir wollen unser Land zurück!‘ Dieses Downgrading ist ein starker Antriebsfaktor für innerstaatliche Konflikte.“
Als dritten Grund führt er den starken und langfristig wirksamen Verlust des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der etablierten („normalen“) Politik an.
„In allen westlichen Ländern und unabhängig von linker oder rechter politischer Orientierung breitet sich der Glaube aus, dass Wahlen nichts ändern.“
Beltz unterscheidet drei potenzielle Bürgerkriegsgegner:
1. Der elitäre globalkapitalistische („postnationale“) Teil der einheimischen Bevölkerung.
2. Die beherrschte Masse der Einheimischen, die mehr oder weniger an ihrem Land, ihrer Heimat hängen. „In einem künftigen Bürgerkrieg werden sich diese beiden Lager bekämpfen.“ Und
3. Die von Betz nicht näher bestimmten „in jüngerer Zeit Eingewanderten“; also im Klartext insbesondere die islamisch geprägten gegengesellschaftlchen Sozialmilieus und ihre Abkömmlinge.
Zu dem vorhergesagten Kampf zwischen Einheimischen und Zugewanderten führt Betz u.a. Folgendes aus: Die Gesamtzahlen der migrantischen Bevölkerung sind noch nicht groß genug, um geschlossene Gebiete zu kontrollieren, vielleicht mit Ausnahme von Frankreich. Aber sie könnten einzelne Stadtviertel und vielleicht ganze Städte effektiv unter Kontrolle bringen. Es wird vielleicht territoriale Inseln geben. Das ist taktisch und operativ eine ziemlich verwundbare Lage. Um ihre Frage generell zu beantworten: Der kommende Konflikt wird sehr unangenehm werden, ausgedehnt über den Großteil Westeuropas.“
Auf die Frage „Welchen Rat würden Sie Politikern regierender Parteien geben, um die Wahrscheinlichkeit von künftigen Bürgerkriegen zu verringern und die westlichen Gesellschaften zu befrieden?“ antwortet Betz:
„Ich fürchte, das steht leider nicht mehr in ihrer Macht. Was meiner Ansicht nach passieren müsste, wäre eine sehr scharfe und offene Zurückweisung der Ideologie des Postnationalismus im gesamten nicht nur politischen Establishment, also eine Rückkehr zur Idee des Nationalstaats durch eine Art Zurückdrehen der Uhr um mindestens 30 Jahre. Aber ich sehe nicht, wie das freiwillig passieren sollte. Denn für die Leute im Establishment ist der Postnationalismus die Grundlage ihres Weltbilds. Sie werden sich nicht auf eine freundliche Weise von diesem Weltbild abbringen lassen. Ebenso wenig, wie die römisch-katholische Kirche es tat, als Martin Luther seine Thesen an die Kirchentür schlug.“
Im Endeffekt, so Betz, wird sich Europa „entweder selbst auslöschen und durch etwas anderes ersetzt werden, oder es wird eine absolut traumatisierende Periode bis zur Wiederentdeckung seiner selbst erleben.“

cicero.de

Szenario der Zukunft - „Der Bürgerkrieg kommt in den Westen“

Kriegsforscher David Betz / Foto: Andrea Artz
Der Kriegsforscher David Betz glaubt, dass Westeuropa Bürgerkriege bevorstehen, in denen das Militär eher eine Nebenrolle spielen wird. Der schwindende Wohlstand und die zunehmenden Risse in westlichen Gesellschaften sind nur einige der Faktoren, die zu Unruhen und Konflikten führen.
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David Betz ist Professor für Kriegsstudien am King’s College in London. Betz forscht unter anderem über Aufstände und ihre Bekämpfung. Seine Artikel über kommende Bürgerkriege in westlichen Ländern haben mediales Aufsehen erregt.
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