153 in Deutschland erhältliche Arzneimittel sind von der Provinz Hubei abhängig
Coronavirus153 in Deutschland erhältliche Arzneimittel sind von der Provinz Hubei abhängigWie sehr schränkt das Coronavirus die Arzneimittelproduktion in China ein - und damit die Versorgung in Deutschland? Die Aufsichtsbehörde hält die Situation für beherrschbar, obwohl Wirkstoffe für 153 Medikamente von dort kommen.
Von Martin U. Müller
20.02.2020, 12:35 Uhr
Andreas Arnold/ DPA
Arzneimittelexperten sind besorgt, dass das Coronavirus zu Engpässen und sogar Ausfällen im deutschen Pharmamarkt führen könnte. Zwar gibt es in Deutschland viele verschiedene Anbieter für Medikamente, doch die Wirkstoffe dafür kommen von wenigen – fast ausschließlich in Asien befindlichen – Fabriken. Ein großer Teil der Wirkstoffproduzenten sitzt in China; manche davon auch in der besonders von Covid-19 betroffenen Provinz Hubei.
Von Hustenlösern bis Neurolektika
Die Stadt Wuhan selbst ist ebenfalls wichtig für die globale Pharmaproduktion.Laut der europäischen Zertifikate-Datenbank werden allein dort unter anderem Wirkstoffe wie der Hustenlöser Acetylcystein, das Neuroleptikum Clozapin oder der bei Reanimationen und schweren Schockzuständen eingesetzte Stoff Adrenalin produziert. Nicht alle Wirkstoffe, die in der Provinz Hubei hergestellt werden, haben keinen weiteren Produktionsort auf der Welt. Dennoch kann sich durch die Konzentration auf wenige Hersteller die Lieferlage verschärfen. Von rund 500 verschreibungspflichtigen Wirkstoffen, die das BfArM als versorgungsrelevant einstuft, werden etwa 300 von nur drei oder weniger Unternehmen gefertigt.
Am 31. Dezember wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehrere 10.000 Menschen nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.
Das BfArM sagt, man habe im Fall der Provinz Hubei "die nach Datenlage potenziell betroffenen Unternehmen hinsichtlich weiterer Angaben und Informationen" kontaktiert. "Basierend auf den aktuell vorliegenden Informationen und Daten gibt es weder national noch europäisch Hinweise, die kurzfristig auf eine Einschränkung oder ein Erliegen der Arzneimittelversorgung hindeuten", sagt ein Sprecher.
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